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Zwillinge erwarten? So entstehen eineiige und zweieiige Zwillinge, einfach erklärt

Zwillinge unterwegs? Wie entstehen eineiige und zweieiige Geschwister – und warum sind sie so besonders? Wir erklären’s einfach, damit du beim nächsten Familienessen glänzen kannst. 😊

Familienessen, der Ultraschall ist gerade zwei Tage alt. Du verkündest die Neuigkeit, und noch bevor jemand gratuliert, fragt Onkel Harald: „Eineiig oder zweieiig?“ Und gleich hinterher: „Liegt das bei euch in der Familie?“

Liebe Zwillingsmamas in spe, damit du beim nächsten Mal souverän antworten kannst (oder Onkel Harald höflich korrigieren), hier das Wichtigste zur Entstehung von Zwillingen. Ohne Biologie-Leistungskurs, versprochen.

Zwei Arten, zwei ganz verschiedene Geschichten

Es gibt eineiige und zweieiige Zwillinge, und die beiden unterscheiden sich viel stärker, als die meisten denken. Sie entstehen anders, sie teilen unterschiedlich viele Gene, und sie sehen sich manchmal auch kein bisschen ähnlich. Wer Zwillinge erwartet, erwartet also nicht automatisch zwei Kinder, die man ständig verwechselt.

Zweieiige Zwillinge: zwei Eizellen, zwei Spermien

Zweieiige Zwillinge, im Fachjargon dizygot, entstehen, wenn zwei Eizellen gleichzeitig oder kurz nacheinander aus den Eierstöcken freigesetzt werden und jede von einem eigenen Spermium befruchtet wird. Die beiden befruchteten Eizellen nisten sich unabhängig voneinander in der Gebärmutter ein und wachsen zu zwei eigenständigen Embryonen heran.

Genetisch sind sie sich so nah oder fern wie ganz normale Geschwister. Sie teilen etwa 50 Prozent ihrer Gene, können also unterschiedlich aussehen, verschiedene Geschlechter und sogar unterschiedliche Blutgruppen haben.

OOH! MOMENT! Zweieiige Zwillinge können sogar verschiedene Väter haben, wenn innerhalb kurzer Zeit Geschlechtsverkehr mit zwei Partnern stattgefunden hat. Selten, aber möglich, und für Onkel Harald vielleicht nicht das ideale Tischthema.

Jedes der beiden hat seine eigene Plazenta und seine eigene Fruchtblase. Das macht die Schwangerschaft nicht unbedingt leichter, erklärt aber, warum sich die zwei oft schon im Bauch völlig unterschiedlich benehmen. Der eine tritt, der andere schläft.

Eineiige Zwillinge: eine Eizelle, die sich teilt

Eineiige, also monozygote Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich nach der Befruchtung in zwei Embryonen teilt. Weil beide aus derselben Eizelle und demselben Spermium stammen, haben sie das gleiche Erbgut. Sie haben dasselbe Geschlecht und dieselbe Blutgruppe und sehen sich meist sehr ähnlich, wenn auch nicht immer zum Verwechseln.

Spannend wird es beim Zeitpunkt der Teilung, denn der entscheidet darüber, wie sich die beiden im Bauch einrichten:

  • Teilung in den ersten drei Tagen nach der Befruchtung: Jeder Embryo hat eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase. Das heißt dichorial-diamniot.
  • Teilung zwischen dem 4. und 8. Tag: Die beiden teilen sich eine Plazenta, haben aber getrennte Fruchtblasen. Das ist bei eineiigen Zwillingen die häufigste Variante und heißt monochorial-diamniot.
  • Teilung nach dem 8. Tag: Plazenta und Fruchtblase werden geteilt. Diese Form heißt monochorial-monoamniot, ist sehr selten und braucht besondere Aufmerksamkeit, weil es häufiger zu Komplikationen kommen kann.

Diese Begriffe wirst du beim Frauenarzt noch öfter hören. Schreib sie dir ruhig in die Handy-Notizen, dann musst du nicht jedes Mal nachfragen, was „mono-di“ nochmal war.

Eineiige Zwillinge gibt es weltweit bei etwa 3 bis 4 von 1.000 Geburten, ganz egal, wo und wie die Eltern leben.

Warum gerade wir? Was die Chance auf Zwillinge erhöht

Manche Faktoren kannst du beeinflussen, die meisten nicht.

Die Familie spielt eine Rolle, allerdings nur bei zweieiigen Zwillingen. Die Neigung, zwei Eizellen auf einmal freizusetzen, kann vererbt werden, und zwar meist über die mütterliche Linie. Haben also deine Mutter, Oma oder Tante zweieiige Zwillinge, steigt deine Chance. Eineiige Zwillinge dagegen sind reiner Zufall, da wird nichts vererbt. Auf die Frage „Liegt das bei euch in der Familie?“ lautet die korrekte Antwort bei eineiigen Zwillingen also: „Nein, das war Glück.“

Auch das Alter zählt. Studien zeigen, dass Frauen über 30 häufiger Zwillinge bekommen, weil der Hormonspiegel mit zunehmendem Alter schwankt und öfter zwei Eizellen gleichzeitig springen. Ab 35 steigt die Wahrscheinlichkeit für zweieiige Zwillinge deutlich.

Bei einer künstlichen Befruchtung wie der IVF werden oft mehrere Embryonen eingesetzt, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Damit steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge oder sogar Drillinge. In einigen Ländern begrenzen Richtlinien deshalb die Zahl der eingesetzten Embryonen. In Deutschland erlaubt das Embryonenschutzgesetz höchstens drei Embryonen pro Zyklus. Auch Hormonbehandlungen, die den Eisprung anregen, können zu Zwillingen führen, weil dabei mehrere Eizellen reifen können.

Und dann ist da noch die Herkunft. Zweieiige Zwillinge kommen in Afrika deutlich häufiger vor als in Asien. Bei den Yoruba im Südwesten Nigerias kommen auf 1.000 Geburten etwa 45 zweieiige Zwillingspaare, in Japan nur etwa vier bis sechs. Eineiige Zwillinge gibt es dagegen überall auf der Welt ungefähr gleich oft. Warum es insgesamt immer mehr Zwillinge gibt, liest du in einem eigenen Artikel.

Übrigens sehen nicht einmal alle eineiigen Zwillinge gleich aus. Warum, liest du in Warum Zwillinge nicht immer gleich aussehen.

Was stimmt, was nicht: die Klassiker vom Spielplatz

„Zwillinge überspringen eine Generation.“ Hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht (noch mehr davon findest du in unserem Mythen-Check rund um Zwillinge). Die Veranlagung für zweieiige Zwillinge kann vererbt werden, überspringt aber keine Generation. Hat deine Mutter Zwillinge, steigt deine Chance, garantiert ist aber nichts.

„Eineiige Zwillinge haben dieselben Fingerabdrücke.“ Auch falsch. Obwohl sie genetisch gleich sind, entwickeln sich ihre Fingerabdrücke im Mutterleib unterschiedlich, je nachdem, wie sie sich bewegen und was um sie herum passiert. Spätestens bei der Polizei fliegt also jeder Rollentausch auf.

„Zwillinge haben eine eigene Sprache.“ Das stimmt tatsächlich. Viele Zwillinge entwickeln im Kleinkindalter eine eigene Art zu kommunizieren, die nur sie verstehen. Fachleute nennen das Kryptophasie. Meist wächst es sich aus, sobald die beiden mehr mit anderen Menschen reden. Bis dahin sitzt du am Frühstückstisch und hast das Gefühl, bei einer Geheimkonferenz zu stören.

„Zwillinge sind immer gleich groß und gleich schwer.“ Falsch. Gerade bei eineiigen Zwillingen kann es Unterschiede in Größe und Gewicht geben, je nachdem, wie die Plazenta die Nährstoffe verteilt. Kleine Unterschiede sind normal. Deutliche Unterschiede behält deine Ärztin oder dein Arzt bei den regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen im Blick.

Wenn dich eineiige Zwillinge so richtig faszinieren: Hier sind 7 erstaunliche Fakten über eineiige Zwillinge.

Und im Bauch? Was dich in der Schwangerschaft erwartet

Die meisten Frauen erfahren beim ersten Ultraschall, dass es zwei sind. Und dann sitzt man da und denkt: Zwei? Wirklich? Dieser kleine Schock ist völlig normal, so eine Nachricht braucht Zeit, um zu sacken. Genauso normal ist es übrigens, wenn du dich einfach nur riesig freust. Was die Wochen danach bringen, zeigt dir unser Überblick zur Zwillingsschwangerschaft Monat für Monat.

OOH! MOMENT! In den ersten Wochen ist manchmal nur ein Embryo zu sehen, weil der zweite sich noch versteckt, erst ein weiterer Ultraschall bringt Klarheit. Manche Zwillinge sind eben von Anfang an Meister im Verstecken.

Wichtig für den weiteren Verlauf ist die Frage, ob deine Zwillinge sich eine Plazenta teilen. Bei einer gemeinsamen Plazenta kann ein sogenanntes fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS) entstehen, bei dem ein Zwilling zu viel und der andere zu wenig Blut bekommt. Klingt beängstigend. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen helfen aber, solche Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln. Frag bei deinem ersten Termin ruhig direkt nach: „Eine Plazenta oder zwei?“

OOH! AUS UNSEREM ALLTAG „Dass meine beiden zweieiig sind, haben wir erst ziemlich spät erfahren, etwa in der 16. bis 18. Woche. Wenn du es also noch nicht weißt: Damit bist du nicht allein.“

Juliane, Gründerin von OOH!TWINS und Zwillingsmama

Das hat einen Grund: Der Ultraschall zeigt vor allem, ob sich die Babys eine Plazenta teilen. Ob sie eineiig oder zweieiig sind, lässt sich damit oft gar nicht sicher sagen. Eindeutig ist es, wenn ein Junge und ein Mädchen kommen, denn die sind immer zweieiig. Sonst bringt im Zweifel erst ein Gentest nach der Geburt Gewissheit.

Eine Zwillingsschwangerschaft gilt als Risikoschwangerschaft, und die Geburt wird oft früher eingeleitet, meist zwischen der 36. und 38. Woche. Die meisten Zwillinge kommen trotzdem gesund zur Welt, auch wenn sie es etwas eiliger haben. Ob vaginal oder per Kaiserschnitt, hängt davon ab, wie die beiden liegen und wie die Schwangerschaft verläuft. Darüber spricht deine Ärztin oder dein Arzt ausführlich mit dir.

Wie sich eine Schwangerschaft mit eineiigen Zwillingen konkret anfühlt und worauf es bei einer gemeinsamen Plazenta ankommt, liest du in Eineiige Zwillinge: Schwangerschaft, Geburt und Alltag.

Eineiig oder zweieiig, eine Plazenta oder zwei: Wenn die zwei erst mal da sind, interessiert das ehrlich gesagt nur noch beim Familienessen. Und da weißt du jetzt Bescheid.

Über OOH!TWINS

OOH!TWINS ist die Plattform für Zwillingseltern, gegründet von Journalistin und Zwillingsmama Juliane Eßling. Unsere Artikel sind recherchiert und werden laufend überarbeitet. Ab 3. November gibt es jeden Dienstag den Podcast „Plötzlich Zwillinge!“ mit Eltern, Ärztinnen und Hebammen, die selbst Zwillinge haben.

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