Plötzlich Zwillinge! Der Podcast für Zwillingseltern, Folge 1 mit Isabella
Isabella stand auf meiner Liste, lange bevor wir die erste Folge aufgenommen haben. Ich habe ihr Profil @zwillingsmamapluseins über Wochen und Monate verfolgt: eine Mama aus Köln mit vierjährigen Zwillingen und einem Nachzügler, die mit allen dreien wandern geht, in die Schweiz fährt und 800 Kilometer am Stück bis nach Polen, oft ganz allein. Jedes Mal dachte ich: Sie muss in den Podcast.
Aufgenommen haben wir an einem Freitag Anfang Oktober. Für den nächsten Tag hatte Isabella schon etwas vor: ein Treffen mit den Zwillingsmamas aus ihrem damaligen Zwillingskurs. Die Gruppe trifft sich seit vier Jahren, diesmal ohne Kinder. Eigentlich sagt das schon viel über sie. Sie ist ein herzlicher Mensch, hat ein großes Netzwerk und weiß aus jeder Situation das beste rauszuholen.
Geplant war eigentlich ein normales Gespräch. Am Ende haben wir 20 Minuten länger geredet als gedacht.
Und an der Stelle, als sie von den Nachrichten erzählt hat, die sie auf Instagram bekommt, hatte Isabella Gänsehaut. Denn sie liebt, was sie tut.
Hier sind die wichtigsten Stellen aus unserem Gespräch, leicht gekürzt.
Wie war der Moment, als du erfahren hast, dass es Zwillinge werden?
Beim Frauenarzt hieß es erst: Herzlichen Glückwunsch, ein Kind. Ich hab gesehen, dass er noch mal genauer guckt, und gefragt, was da ist. Er meinte, da ist ein Schatten, aber nichts weiter. Zwei Wochen später hatte der Schatten einen Herzschlag. Mein Mann stand hinter mir und war sprachlos. Aber die Freude hat überwogen. Wir haben auf beiden Seiten Zwillinge in der Familie, und wenn ich die gesehen habe, ist mir immer das Herz aufgegangen.
Viele haben Angst, mit beiden Babys allein rauszugehen. Du auch?
Total. Ich dachte: Was ist, wenn beide weinen? Dann gucken die Leute so blöd. Und irgendwann hab ich mich gefragt: Was ist eigentlich das Schlimmste, das passieren kann? Sie weinen. Nicht mehr und nicht weniger. Als mir das klar wurde, war ein Schalter umgelegt. Ich hatte immer eine Trage dabei. Wenn einer gequengelt hat, kam er in die Trage, und der andere hat im besten Fall weitergeschlafen.
Und die Blicke der anderen?
Die Leute gucken sowieso, wenn du mit Zwillingen unterwegs bist. Mach einfach dein Ding. Fokus auf deine Zwillinge, nicht nach links, nicht nach rechts. Wie ein Pferd mit Scheuklappen.
Was war dein Geheimtipp für die Babyzeit?
Kinder in den Kinderwagen und raus. Zu Hause hab ich nur das Chaos gesehen, und was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Draußen sind beide angeschnallt und sicher, ich hol mir beim Bäcker einen Kaffee und ein Brötchen, dann hab ich auch endlich was gegessen. Verabredungen hab ich fast immer nach draußen gelegt. Wie viele Kilometer ich gelaufen bin, weiß ich nicht mehr. Da hab ich gelernt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Ich habe Isabella an dieser Stelle von einem Rat erzählt, den ich von einer erfahrenen Hebamme bekommen habe: Wenn beide schreien und nichts mehr hilft, gibt es zwei Auswege, Luft oder Wasser. Also raus oder ab in die warme Badewanne.
Das mach ich bis heute so. Wenn ich fünf Minuten Ruhe brauche, gehen alle drei in die Wanne. Das klappt aber erst, wenn die Kinder sicher allein sitzen können, so ab acht Monaten.
(Und natürlich nur, wenn du direkt daneben bleibst.)
Wie schaffst du es, nicht ständig gestresst zu sein?
Ich hab mich von zwei Dingen komplett frei gemacht: pünktlich sein und eine aufgeräumte Wohnung. Ich weiß noch, wie die Hebamme kommen sollte. Baby hier, Baby da, Zähne nicht geputzt, nicht geduscht, die Wohnung sah furchtbar aus. Das hat mich total gestresst. Irgendwann hab ich gedacht: Ich bin mit Sicherheit nicht die Schlimmste. Wenn du selbst nicht gestresst bist, überträgt sich das auf die Kinder. Mein Tipp: viel mehr Zeit einplanen. Und wenn du zu spät kommst, dann ist das so. Alle freuen sich umso mehr, wenn du mal pünktlich bist.
Alle sagen: Nimm Hilfe an. Wie machst du das?
Wenn Besuch kommt, lass dir was mitbringen. Komm vorbei und lass dich dann noch bedienen, während du hier ein Baby hast und da ein Baby? Nee. Da darf man als Zwillingsmama auch nicht zu stolz sein. Aber ich sag auch allen, meiner Mutter, meiner Schwiegermutter, jedem: Bitte lasst die Wäsche in Ruhe. Sonst sortiere ich danach den ganzen Kleiderschrank um. Hilfe ist nur Hilfe, solange sie dir nicht mehr Arbeit macht.
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Wie habt ihr euch zu Hause organisiert?
In der Krabbelzeit war es bei uns wie in einem Gefängnis. Jeder Durchgang gesichert, jede Ecke, jede Kante. Die Fensterbänke sind bis heute mit Polstern aus dem Baumarkt abgeklebt. Wir wohnen im ersten Stock ohne Aufzug, und unten war kein Platz für den Zwillingswagen. Also hab ich eine Babywanne hochgetragen, abgestellt, die zweite geholt. Schritt für Schritt. Wenn man die Wahl hat: Erdgeschoss oder Aufzug. Und duschen? Eine Babyschale links, eine rechts, Duschvorhang auf. Dann hast du beide im Blick.
Stillen oder Flasche?
Ich hab das volle Programm gemacht: gestillt, abgepumpt, zugefüttert. Ein halbes Jahr lang. Als ich beim Kleinen die gelbe Milchpumpe wiedergesehen habe, kam richtig was hoch. Die Umstellung auf die Flasche war eine echte Erleichterung. Person A füttert Zwilling eins, Person B Zwilling zwei, und auch die Oma konnte mal eine Nacht übernehmen. Wer stillen möchte: Mach vorher einen Stillvorbereitungskurs. Ich hatte keine Ahnung, wie das geht, und auf einmal waren da zwei Babys.
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Welche Zeit war für dich am härtesten?
Nicht die Babyzeit, die hab ich wirklich genossen. Die beiden haben gut geschlafen und gut getrunken. Hart wurde es mit der Mobilität, ungefähr von zehn Monaten bis zweieinhalb Jahren. Einer krabbelt nach links, der andere nach rechts, und du denkst: Welcher ist schneller, wohin renn ich zuerst? Da hab ich mich so nach einem Raum gesehnt, in dem beide sicher spielen und ich kurz durchatmen kann.
Was rätst du Frauen, die gerade mit Zwillingen schwanger sind?
Sucht euch andere Zwillingsmamas. Online, vor Ort, egal wie. Wenn eine Zwillingsmama sagt, die Nacht war mies, dann weiß die andere genau, was das heißt. Das ist ein anderes Gefühl als bei einer Mama mit einem Kind. Endlich jemand, der mich versteht.
Kennst du auch Einsamkeit?
Ja. Mein Freundeskreis ist geschrumpft, und ich bin auch nicht mehr die Freundin, die ich früher sein konnte. Es gibt Tage, da sind vier Menschen um mich herum, und ich fühl mich trotzdem allein. Das ist in Ordnung. Wenn du zwei, drei richtige Freundinnen hast, am besten noch eine Zwillingsmama, dann reicht das.
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Du gehst allein mit drei kleinen Kindern wandern. Wie machst du das?
Mein Motto ist: Go with the flow. Ich kann mich komplett nach den Kindern richten, aber dann hab ich keinen Spaß mehr. Und ich hasse Sand, also Spielplätze. Ich bin gern in der Natur, also gehen wir wandern. Kinder sind kleine Entdecker. Ich plane den ganzen Tag ein, wir machen so viele Pausen wie nötig, viele Snacks. Den Kleinen hab ich in der Trage, manchmal einen Zwilling huckepack und einen auf dem Arm. Meine Vorfreude schwappt auf die Kinder über. Und wenn es schiefgeht, gehen wir eben zurück zum Auto und auf den Spielplatz. Für die 800 Kilometer nach Polen sind wir um fünf Uhr morgens losgefahren, damit alle noch möglichst lange schlafen.
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Hast du auch mal geweint?
Klar hab ich geheult. Man darf auch heulen, das ist in Ordnung. Aber dann Tränen abwischen und weitermachen. Den ganzen Tag heulen bringt nichts, und die Babys sind ja trotzdem da.
Was möchtest du jeder Zwillingsmama mitgeben?
Ich hab letztens zu meinem Mann gesagt: Ich könnte mir mein Leben nicht schöner vorstellen. Am Ende bist du diejenige, die sich im Weg steht. Viele schreiben mir auf Instagram: Isabella, dank dir hab ich mich getraut und bin losgefahren. Und dann steht da fast immer: Es war so viel besser als gedacht.
„Überleg doch mal: Wir haben zwei kleine Menschen auf die Welt gebracht und begleiten sie. Was soll dann schon eine Autofahrt anrichten?“
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